Segen

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Öl auf Leinwand.

100x70x3,5cm
1.945,00€


Die Bulgarische Orthodoxe Kirche – Garant für die nationale Identität

aus OWEP 4/2009, von Božidar Andonov
Der Autor ist Lehrstuhlinhaber für Praktische Theologie an der Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Die Bedeutung des Christentums in der Geschichte Bulgariens
Wenn wir über die Bulgarische Orthodoxe Kirche sprechen, können wir ihre Rolle in der mehr als tausendjährigen Geschichte und Kultur des bulgarischen Volks nicht außer Acht lassen. Heute, wie in den Jahrhunderten zuvor, schöpft unser Land aus seiner reichen geistigen Kultur, die auf außerordentlich wertvollen und unvergänglichen Traditionen beruht. Diese Traditionen gehen zurück auf das Wirken des ersten christlichen Herrschers der Bulgaren, Fürst Boris I. (gest. 907), der in der Taufe den Namen Michail annahm, sowie auf die Mission der heiligen Brüder Kyrill und Method, die im 9. Jahrhundert das Christentum in die slawische Welt brachten, und sind vorwiegend mit der geistigen und aufklärerischen Tätigkeit ihrer Schüler in Bulgarien sowie deren Vermittlung und Weiterentwicklung des christlichen Kulturerbes verbunden.

Der im Jahre 681 durch die Vereinigung von Slawen und Protobulgaren (einem turksprachigen Nomadenvolk) auf dem Balkan begründete mittelalterliche bulgarische Staat ist einer der wenigen auf dem europäischen Kontinent existierenden Staaten, der bis auf die heutige Zeit den Namen behalten hat, unter dem er entstanden ist. Von einem heidnischen Chanat wandelte er sich allmählich in ein christliches Zarenreich. Bulgarien führte bereits im Jahre 864 das Christentum als Staatsreligion ein, das die Geschichte des Landes bis auf den heutigen Tag mitgeprägt hat.

Die Annahme des Christentums als Staatsreligion in Bulgarien stand in Zusammenhang mit den Bestrebungen des Fürsten Boris I., Bulgarien in den Kreis der umliegenden maßgebenden europäischen Mächte zu integrieren, eine Schriftsprache als erste Stütze für Staat, Kirche und Schule zu schaffen und einen starken Staat mit einer selbstständigen Kirche als zweiter Stütze aufzubauen, wobei das Christentum zugleich als entscheidender Faktor im Prozess des Zusammenschlusses der beiden ethnischen Elemente – des protobulgarischen und des slawischen – fungierte. Diese Bemühungen kann man mit den Worten von Emil Georgiev als „(Teil) ein(es) Kampf(es) um die Behauptung der Rechte der Slawen und überhaupt der neuen Völker (bezeichnen), die auf die historische Bühne in Europa nach dem Untergang der Antike traten, um sich am kulturellen Erbe der Menschheit beteiligen zu können“.

Naum, Angelarij und Kliment – Schüler von Kyrill und Method – erfolgreich Zentren zur Ausbildung bulgarischer Geistlicher und Literaten im Lande errichten und die neubegründete bulgarische Kirche festigen. Unter ihnen zeichnete sich besonders der heilige Kliment von Ochrid (840-916) aus.

Dank großzügiger finanzieller und politischer Unterstützung durch Fürst Boris I. konnten Gorazd, Zar Simeon der Große (reg. 893-927), Sohn Boris I., setzte mit Erfolg das Christianisierungswerk seines Vaters fort. Während Boris I. hauptsächlich für die Entwicklung und Ordnung der bulgarischen Kirche und die Fortbildung des geistigen und kulturellen Niveaus seines Volkes sorgte, konnte Simeon der Große auch den politischen Aufschwung und damit verbunden materiellen Wohlstand seines umfangreichen Landes sichern. Das Reich erstreckte sich von der Donau bis zur Ägäis und vom Schwarzen Meer bis zur Adria, seine Residenz Pliska bzw. seit 898 Preslav entwickelte sich zu einem Mittelpunkt des bulgarischen Geistes- und Kulturlebens. Bulgarien erreichte in dieser Zeit den Höhepunkt seiner Macht, und der bulgarische Erzbischof wurde 919 zum Patriarchen erhoben.

Auch für einen Forscher, der sich nicht direkt mit dem Thema beschäftigt, ist es nicht schwer, die starke Präsenz der christlichen Moral und Ethik unter dem bulgarischen Volk während der langen Epoche des Mittelalters zu erkennen. Von der Geburt bis zum Tod begleitete die Kirche das Leben sowohl der einfachen Menschen als auch des Adels. Im Laufe der Zeit wurden zahlreiche Regeln mit moralisch-ethischen Normen und Werten entwickelt, die die Weltanschauung nicht nur der Byzantiner, sondern auch ihrer kulturell-religiösen Schüler, wie es auch die mittelalterlichen Bulgaren waren, bestimmten.

Die osmanische Herrschaft, die fünf Jahrhunderte andauerte, war eine Zeit schwerer Bedrängnis in der langen Geschichte des bulgarischen Volks. Dank der Bulgarischen Orthodoxen Kirche, die Muster für Geistigkeit und Heiligkeit geschaffen und zwischen dem 9. und 14. Jahrhundert sittlich-religiöse Reflexionen und Verhaltensweisen herausgebildet hatte, auf deren Grundlage sich eine existenziell bedeutsame Tradition entwickeln konnte, waren die Bulgaren in der Lage, diese Zeit zu überstehen und während der Phase der nationalen Wiedergeburt im 19. Jahrhundert ihr religiöses und nationales Selbstbewusstsein zu erneuern. Alle kleineren und größeren Gemeinschaften, die den Versuchungen der osmanischen Obrigkeit nicht widerstehen konnten und den Islam annahmen, was zur Veränderung ihrer Verhaltens- und Bewusstseinsnormen führte, entfremdeten sich nach und nach vom Kern der bulgarischen Nation.


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